Samstag, 3. Dezember 2016

Sonne am 3.12.2016

Dass blauer Himmel und schlechtes Seeing nicht immer Hand in Hand gehen, durfte ich heute erfreulicherweise erleben. 10 Minuten früher als gestern konnte ich mein kleines Teleskop auf der Fensterbank aufbauen und der scharfe und gute definierte Sonnenrand deutete schon auf ein recht gutes Seeing hin.

Im Weißlicht war die AR 12615, die jetzt fast auf dem Sonnenmeridian steht, als erste deutlich wahrnehmbar. Ich sah mehr Flecken als gestern und stufte sie als D14 ein. Die AR 12612 war als D4 nah dem Westrand noch einigermaßen gut zu erkennen. Sehr viel schwieriger wurde es mit den anderen beiden Gruppen, die ich erst nach der vorsichtigen Reinigung des Okulars mit Klarwasser und einem bereits benutzten Geschirrhandtuch bzw. ein Stück Haushaltsrolle wirklich erkannte. Die AR 12614 war nur noch eine B2 und die 12616 nur noch eine A1. Außerdem erkannte ich gerade mal zwei kleine Fackelgebiete, je eines davon am Ost- und am Westrand.

Gutes Seeing macht sich natürlich sofort im H-alpha-Licht bemerkbar und nachdem ich auch hier das Okular gereinigt hatte, sah ich sogar noch mehr Details. Staub und Schmutz beeinträchtigen nämlich sehr stark die Sichtung von Einzelheiten im H-alpha-Licht, besonders beim PST.

Hier fiel mir gleich beim ersten Blick eine aufsteigende Protuberanz im Nordwesten auf, die gleichzeitig die größte derzeit sichtbare war. Die restlichen vier erhoben sich nur wenig über den Sonnenrand. Auf der Oberfläche waren die vier Flaregebiete von gestern noch vorhanden, wobei das mit der AR 12612 verbundene schon stark schwächelte, ebenso wie das bei der 12616. Beide Gruppen sind offenbar bereits in Auflösung begriffen und man darf gespannt sein, ob sie morgen noch zu sehen sein werden.

Neben Protuberanzen und Flaregebieten waren da noch neun Filamente, darunter mittlerweile drei Ketten – zwei im Norden, eine im Süden – und selbst im Flaregebiet der AR 12615 steckten zwei kleinere Exemplare. Hier dürfte, auf aufgrund der gegenwärtigen Position nahe des Meridians und der Größe der Gruppe noch am ehesten mit einem erdwärts gerichteten Ausbruch und in der Folge davon mit Polarlichtern zu rechnen sein. Andererseits gab es in der Vergangenheit genügend Beispiele, bei denen selbst große Aktivitätsgebiete ziemlich inaktiv blieben. So gilt auch hier die Devise: Abwarten und Tee trinken, auch wenn es eine Adventsmischung ist ...

Freitag, 2. Dezember 2016

Sonne am 2.12.2016

Erstmals seit Oktober konnte ich mir heute an einem Freitag mal früher freinehmen und bei strahlend blauem Himmel hoffte ich, rechtzeitig zu Hause zu sein, um noch die Sonne zu beobachten. Das klappte auch, leider war das Seeing grottenschlecht – wie üblich in dieser Jahreszeit – und so hatte ich anfangs erhebliche Probleme, überhaupt etwas zu erkennen. Zwischendurch gab es jedoch immer wieder Phasen, in denen das Bild stand und ich dann doch ein paar Details mehr ausmachen konnte.

Im Weißlicht waren nach dem relativ schwachen November gleich vier Fleckengruppen zu sehen. Die AR 12615 stach mir als erste ins Auge und ich klassifizierte sie als D9. Die zweite Gruppe, die ich erkannte, war die AR 12612, die für mich eine D5 war. Dazwischen lag die AR 12614 als C4 und die war nur sehr schwer zu sehen. Blickweise tauchte sie aus dem allgemeinen Seeinggeblubber auf, doch Einzelheuten waren entweder gar nicht oder nur ansatzweise zu sehen. Noch schwieriger wurde es mit der AR 12616 nördlich davon. Anfangs fand ich sie gar nicht, bis ich sie mal bei einem der wenigen Augenblicke ruhiger Luft als A3 erkennen konnte. Fackelfelder waren fast gar nicht zu finden.

Im H-alpha-Licht war wegen des dort stark wallenden Randes ebenfalls nicht einfach, irgendetwas zu erkennen. Insgesamt 7 Protuberanzen erkannte ich am Sonnenrand, darunter ein Spritzer und ein Bogen am Westrand. Der Rest war eher kümmerlich. Auf der Oberfläche sah ich 4 helle Flaregebiete – an den Positionen der Aktivitätsgebiete im Weißlicht – und darüber hinaus 6 Filamente, inkl. zweier Filamentketten im Nordosten bzw. Süden.

Es war eine Beobachtung der Kategorie „immerhin überhaupt beobachtet“. Das schlechte Seeing nervte dann doch sehr und machte das Fleckenzählen zu einer reinen Pflichtübung.

Sonntag, 27. November 2016

Sonne am 27.11.2016

Es geht nur äußerst mühsam voran mit den Beobachtungen. Der niedrige Sonnenstand ist mehr als frustrierend, trotz blauem Himmel kann ich so gut wie nicht mehr beobachten und wenn, dann nur unter extrem schlechten Bedingungen. Der Aufgangspunkt der Sonne hat sich soweit nach Süden verschoben, dass es ewig dauert, bis sie über dem Dach des Nachbarhauses rauskommt und dann steht sie praktisch gleich hinter Bäumen. Und wenn dann noch das Seeing so schlecht ist wie heute morgen …

Im Weißlicht war, bedingt durch ins Bildfeld ragende Äste des Baumes, nur die AR 12612 als H2 zu sehen sowie drei kleine Fackelfelder.

Das PST zeigte trotz der dünnen Äste ein wenig mehr und so kam ich auf 7 Protuberanzen – man sollte mal auf den Südwesten achten, wo gerade ein Spritzer hochgeht -, 6 Filamente, die fast ausschließlich im Norden zu sehen waren sowie drei helle Flaregebiete, wobei zwei im Westen punktförmig waren und besonders hervorstachen. Die kleine Filamentkette und ein plastisch wirkender Bogen im Norden rundeten ein Bild ab, das nun durch dickere Äste gestört wurde und ich die Beobachtung bei wolkenfreiem Himmel abbrechen musste, weil an meinem Standort erst in der Mittagszeit für etwa eine Dreiviertel Stunde wieder eine Sichtung möglich ist, doch da werde ich auf der Bergedorfer Sternwarte sein, um dort zwei Führungen wahrzunehmen.

Samstag, 19. November 2016

Sonne am 19.11.2016

Endlich ist es geschafft: das Jahresziel von 200 Beobachtungen habe ich am heutigen Tag erreicht, nach weiteren 5 Ausfalltagen und fast 6 Wochen später als 2015. Aber es war eine unwürdige Beobachtung, denn die Sonne stand nur wenige Minuten, nachdem sie über die Häuserkante kam, gleich hinter Bäumen und die Äste wischten bei leichtem Wind ständig durch das Bildfeld. Das Seeing, soweit man es durch die Äste hindurch erkennen konnte, war vergleichsweise gut. Dafür hatte die Sonne auch noch Mühe, sich durch die Wolken zu kämpfen. Natürlich, wie sollte man es auch anders erwarten, verschwanden alle Wolken, als die Sonne vollständig hinter Bäumen stand und nicht mehr zu beobachten war.

Im Weißlicht waren die beiden einzigen Fleckengruppen nur mit Mühe auszumachen, weil sie nur einen ganz geringen Kontrast gegenüber der umgebenden Oberfläche aufwiesen. Die AR 12610 war eine A1 und die 12611 eine B2 und beide waren auf der Nordhalbkugel zu finden. Überdies waren noch zwei kleine Fackelfelder auszumachen.

Ein rascher Wechsel zum PST war vonnöten, um hier überhaupt noch etwas sehen zu können, auch wenn die Äste hier noch mehr störten, weil die Sonne weiter hinter den schon weitgehend unbelaubten Baum gerückt war. Nur durch schnelles Zählen konnte die Beobachtung abgeschlossen werden. Am Rand standen 7 Protuberanzen, die sowohl am Ost- als auch am Westrand interessante Formen aufwiesen. Auf der Oberfläche fand ich 4 Flaregebiete und 6 Filamente, darunter eine lange Filamentkette im Südwesten.

Sonntag, 13. November 2016

Sonne am 13.11.2016

Nach nunmehr 13 (!) Ausfalltagen aufgrund permanentem Hochnebel oder bewölktem Himmel, sah es heute auch nicht nach einer Beobachtung aus. Von den Wetterfröschen angekündigt war ein langes sonniges Wochenende. Der Freitag war denn auch in der Tat sonnig, ich machte früher Feierabend und konnte auch noch einen ersten flüchtigen Blick auf die Sonne werfen, doch nach nur 1 bis 2 Minuten war schon der Rand des nächsten Hochhauses zu sehen. Die Beobachtung wurde damit wertlos und ich hatte wieder einmal verloren, während viele andere natürlich beobachten konnten.

Gestern war es dann trotz der angeblichen sonnigen Tages ständig bedeckt und es schneite zeitweise leicht. Heute sollte es ab 9 Uhr aufklaren, dann ab 11 Uhr, dann ab 13 Uhr. Passiert ist jedoch in allen Fällen nichts. Erst als die Sonne hinter dem ersten meiner beiden gegenüberliegenden Hochhaus stand, gab es größere Wolkenlücken, die sich dann rasch immer weiter ausdehnten. Kurz vor 14 Uhr dann das nicht mehr Erwartete: die Sonne stand neben dem höchsten Gebäudeteil und ich konnte mit dem Beobachten loslegen. Dachte ich ich. Doch das Seeing war grauenhaft. Der Sonnenrand in heftiger Bewegung und die Oberfläche wie ein Kochtopf blubbernd. Keine Details auszumachen. Erst einige Minuten später änderte sich das und al erstes konnte ich die AR 12610 als B 4 sehen. Die südwestlich davon stehende AR 12609 erkannte ich nur durch Zufall und klassifizierte sie als B4. Die härteste Nuss war die AR 12608. Sie stand direkt am westlichen Sonnenrand und war bei dem Gewabbel dort immer nur für Sekundenbruchteile zu sehen. Ich war mir aber sicher, sie wirklich erkannt zu haben und zählte sie als A1.

Schnell noch baute ich das PST auf mein Tischstativ, dass auf der Fensterbank stand, und auch hier trat der Effekt auf, dass ich erstmal gar nichts sah. Erst durch veränderte Filtereinstellungen erkannte ich am Sonnenrand insgesamt 5 Protuberanzen – die beiden „größten“ am Westrand – und 4 Flaregebiete und 8 Filamente auf der Oberfläche. Aufgrund des nun deutlich schlechter werdenden Seeings hatte ich große Mühe, das Bild scharf zu stellen. Dennoch erkannte ich eine von Nord nach Süd verlaufende Filamentkette im Osten und eine quer dazu stehende tief im Süden, während es westlich des Meridian außer den Protuberanzen keine Aktivitätserscheinungen zu sehen gab.

Zum Abschluss – die Sonne drohte schon hinter der nächsten Häuserkante zu verschwinden – wollte ich noch eine Abschlussbeobachtung im Weißlicht machen, doch das Seeing war inzwischen dermaßen schlecht geworden, dass ich außer einer weißen Fläche und einem gezackten Rand nichts mehr sah. Endlich mal Glück gehabt, was eine Seltenheit in den letzten Monaten war!

Sonntag, 30. Oktober 2016

Sonne am 30.10.2016

Der erste Tag der Winterzeit 2016/17 begann wie der vorherige, mit Wolken in Richtung Westen und freiem Himmel im Osten. Der einzige Unterschied war, dass die Sonne, kaum, dass sie hinter dem Nachbarhaus auftauchte, gleich wieder hinter dem allgemeinen Syph verschwand. Im Gegensatz zur amtlichen Wettervorhersage stand, dass die Sonne sich immer mehr durchsetzte und so konnte ich tatsächlich einigermaßen bequem die Sonne vom geöffneten Wohnzimmerfenster aus beobachten und das bei ganz passablem Seeing. Dumm nur, dass irgendwelche übrig gebliebenen Wespen dies als willkommene Gelegenheit ansahen, hier herein zu fliegen. Da sie sich nicht bewegen ließen, wieder nach draußen zu fliegen, musste ich mich ihrer irgendwie entledigen, da sie die Beobachtung empfindlich störten und um meinem Kopf herumflogen.

Im Weißlicht gab es jedoch kaum noch etwas zu sehen. Quasi erst im letzten Augenblick erkannte ich die Reste der AR 12602 in Form einer A1-Gruppe. Ich stieß auch nur per Zufall auf sie und hatte mich schon darauf eingestellt, eine fleckenlose Sonne vor mir zu haben.

Ein wenig mehr gab es im H-alpha zu sehen: Am Rand standen zwar nur 3 kleine und winzige Protuberanzen, dafür fand ich auf der Oberfläche ein Flaregebiet - dort, wo im Weißlicht die A1 stand – und 7 Filamente, die beiden größten im Osten. Sie wirkten im PST richtig dunkel und wer weiß, vielleicht eruptieren sie auch in den kommenden Tagen. Erscheinungsfrei waren auch heute wieder viele Bereiche der Sonnenoberfläche, wodurch sie regelrecht aufgeräumt wirkte.

Samstag, 29. Oktober 2016

Sonne am 29.11.2016

Nach fünf weiteren Ausfalltagen aufgrund des niedrigen Sonnenstandes und meiner Arbeitszeit, die vor Sonnenaufgang begann und nach Sonnenuntergang endete, hatte ich mich entsprechend der Wettervorhersage auf eine Sonnenbeobachtung gefreut. Es wurde mal wieder der reine Krampf. Zum Abgewöhnen und keine Empfehlung, sich mit der praktischen Astronomie zu beschäftigen.

Den sonnenaufgang bekam ich nicht mit, weil alles bewölkt war, doch dann sah ich einen ersten hellen Schimmer hinter den Nachbarhäusern und kurzu bevor die Sonne dahinter aufsteigen sollte, kamen Wolken. Wie immer. Später dann riß die dichte Bewölkung auf und ein riesiges Wolkenloch wanderte relativlangsam in Richtung der Position der Sonne. Kurz bevor sie diese erreichte, kamen aus anderer Richtung dicke Wolken herbei und binnen Sekunden war der ganze Himmel dicht. Also musste ich bis ca. 12:30 Uhr MESZ warten. Da sollte eigentlich nach der Vorhersage der Himmel wolkenfrei sein. War er aber nicht und so wurde die Beobachtung abermals zu einer nervigen Wolkenlückenaktion.

Im Weißlicht konnte ich erstmal wegen schnell durchhuschender Wolkenfetzen gar nichts sehen. Nur langsam erkannte ich die AR 12604 als B11 westlich des Sonnenmeridians. Exakt am Westrand sah ich noch in einem Fackelfeld eine kleine A1, ich fand sie auch nach mehrmaligem Suchen wieder. Zumindest bildete ich mir das ein.

Für die H-alpha-Beobachtung mit dem PST wurde es danach Zeit, denn aus Westen schoben sich weitere Wolken heran – sie sollte eigentlich gar nicht da sein – und erschwerten die Beobachtungen, weil ich mich kaum auf Details konzentrieren konnte und das Bild aufgrund hoher Wolken ziemlich dunkel war. Da halfen auch veränderte Filtereinstellungen nichts. Nur für wenige Augenblicke wurde die Sicht mal einen Tick besser. Unter diesen eigentlich miserablen Bedingungen erkannte ich 4 kleine Protuberanzen am Westrand, zwei Flaregebiete (an den Postionen der beiden Fleckengruppen) und 5 Filamente auf der Oberfläche, die ansonsten weitgehend frei von Aktivitätserscheinungen war. Im Osten waren denn genau 2 Filmente deutlich umfangreicher und die Highlights in diesem Wellenlängenbereich, wo die Minimumssonne ebenfalls unverkennbar war.