Dienstag, 27. Juni 2017

Sonne vom 21.-27.6.2017

Seit dem Tag der Sommersonnenwende am 21. Juni zeigten sich abermals nur wenige Änderungen in der Sonnenaktivität. Im Gegenteil: sie ging sogar wieder leicht zurück. Das Wetter spielte auch nicht immer mit, oft hatte ich nur kleine Lücken zur Verfügung und just zur 40. SONNE-Tagung in Hamburg kamen Wolken, Regen und teilweise heftig böiger Wind auf. Erst am Sonntag Nachmittag zeigte sich wieder eine Wolkenlücke und heute schaffte ich es gerade noch, vor dem Heranrücken einer Wolkenfront, zu beobachten.

Im Weißlicht war die AR 12664 – ich hatte sie das erste Mal am 21. Juni gesehen und da war sie eine J1 – die einzig verbliebene Fleckengruppe, die sich danach über mehrere Tage hinweg zu einer D-Gruppe entwickelt, bei der ich heute 9 Flecken zählen konnte.

Im Hα-Licht zeigten sich im gleichen Zeitraum einige imposante Erscheinungen. So gab es zunächst nur kleine Protuberanzen am Sonnenrand und zwei große Filamente auf der Oberfläche. Am 25. konnte mit einem Mal am Westrand einige sehr große Protuberanzen sehen, die Ketten gleich, dort aufgereiht waren – die beiden großen Filamente waren über den Rand getreten und rotierten binnen eines Tages auf dem Blickfeld irdischer Beobachter. Heute war davon nur noch eine spitzkegelige Protuberanz zu sehen, während es an 7 weiteren Stellen weitere mittelgroße und kleine Materiebögen zu bestaunen gab. Im Gegenzug gab es – wie in den Tagen zuvor – nur ein Fackelfeld, das sich rund um die AR 12664 befand sowie 5 sehr schwache Filamente, die nicht mehr als Bögen, sondern nur noch als matschige Flecken zu sehen waren. Die Sonnenoberfläche war im Hα-Licht weitgehend frei von Erscheinungen, ein Anblick, an den wir uns - angesichts des bevorstehenden Minimums - allmählich gewöhnen müssen.

Dienstag, 20. Juni 2017

Sonne vom 18.-20.6.2017

Binnen der letzten zwei Tage war wieder nur wenig Zeit zum Bloggen, doch heute muss es sein, obwohl das Seeing grottenschlecht war und ich weder einen klar definierten Sonnenrand, doch klar umrissene Oberflächenstrukturen erkennen konnte.

Im Weißlicht hatte sich die AR 12662 war bis gestern noch eine J1 und hatte heute einen zweiten Fleck in der nicht mehr ganz runden Penumbra ausgebildet, was erstaunt, zeigte der Fleck bislang keine Veränderungen. Die AR 12663 zeigte bereits am 18. erste Auflösungstendenzen, gehörte aber gestern noch der Klasse D an, während die Flecken zwischen den beiden Polen immer weniger wurden. Heute dann das fast schon zu erwartende Ergebnis: die Gruppe hatte den nachfolgenden Teil vollkommen verloren und war ebenfalls nur noch eine J1, die in einem hellen Fackelfeld stand. Zudem war am Ostrand eine neue J1-Gruppe herumrotiert – sie wird wohl die Nr. 12664 erhalten – und erhöhte die aktuelle Zahl der Sonnenflecken auf 3.

Im H-alpha-Licht waren schon am 17. mehrere große Filamente zu sehen, sie wanderten mit der Sonnenrotation weiter in Richtung. Doch auch sie zeigten alsbald Anzeichen zunehmender Auflösung und so waren heute zwar 7 Filamente zu sehen, aber nur noch ein Flaregebiet und 8 zumeist kleine Protuberanzen. Im Bereich der neuen Gruppe zeigte sich interessanterweise kein Flaregebiet und nur ein unscheinbares Filament. Insgesamt konnte man heute den Eindruck gewinnen, als ob die Aktivität in dieser Wellenlänge schon wieder am Abflauen sind. Die kommenden Tage werden es zeigen.

Samstag, 17. Juni 2017

Sonne vom 14.-17.6.2017

Meine überlangen Arbeitszeiten in den letzten Tagen führten nicht nur nicht am 15. zu einem Ausfalltag, als die Sonne nur vormittags zu sehen war, sondern auch zu einer schwindenden Motivation für die täglichen Blogeinträge. Immerhin gelangen mir angesichts der Tatsache, dass bei Feierabend an fast jedem Tag ich mit Wolken zu kämpfen hatte, während der Himmel morgens oft wolkenfrei war, doch einige Beobachtungen.

Im Weißlicht war ausgerechnet am Ausfalltag ziemlich genau auf dem Sonnenmeridian eine neue Gruppe erschienen, die der Waldmeierklasse D angehörte. Sie hatte sich vor der inzwischen AR 12661 genannten J1-Gruppe gesetzt und die Nr. AR 12662 erhalten. Sie konnte auch heute morgen beobachtet werden, besaß zwei Penumbren und insgesamt 10 Flecken. Die J1 war weiterhin stabil, typisch für diese Art von Gruppen.

Im H-alpha-Licht ging die Aktivität zunächst zurück, um dann wieder anzusteigen. War die Sonne am 14. bis auf einige interessante Protuberanzen am Ostrand noch fast erscheinungsfrei, so waren diese nun aufgrund der Sonnenrotation über den Rand hinaus gewandert. So konnten heute morgen etliche Filamente auf der Osthälfte der Sonne gesehen werden und auch die Zahl der Flaregebiete ist leicht angestiegen. Am Rand gab es dafür 8 Protuberanzen zu sehen, wovon eine am Ostrand wie ein Halbbogen steil aufragte. Auf der Oberfläche kam ich auf 10 Filamente von teilweise »wuseliger« Art und drei helle Flaregebiete. Es tut sich wieder was, vor allem im H-alpha!

Dienstag, 13. Juni 2017

Sonne am 12. und 13.6.2017

Der Juni ist offenbar ein Monat, in dem man nur kleine Wolkenlücken für die Beobachtung nutzen kann, denn nur durch zwei davon kam ich gestern und heute zu Beobachtungsergebnissen. An beiden Tagen war das Seeing dafür zum Glück mal ganz ordentlich.

Nachdem gestern die Sonne noch fleckenfrei war, tauchte in den letzten Stunden am Ostrand ein einpoliger Fleck mit Penumbra auf, den ich als J1 klassifizierte. Er ist von einem kleinen Fackelfeld umgeben und bereits gestern konnte man mit größeren Teleskopen wohl am Westrand einen kleinen einpoligen Fleck ohne Penumbra sehen. Mir war das mit meinem kleinen 80/400er-Refraktor nicht gelungen. Die Fleckengruppe ist just dort entstanden, wo ich es vor zwei Tagen schon vorhergesagt hatte: in einer Region, die im H-alpha-Licht eine »Flatschen«-Protuberanz und ein helles Flaregebiet zeigte.

Während im Weißlicht die Aktivität durch einen einzelnen Fleck wieder angestiegen ist – einpolige Flecken mit Penumbra gelten als sehr stabil, weshalb der Fleck vielleicht ein paar Tage länger gesehen werden kann, als der Vorgänger – kletterte die Aktivität im H-alpha-Licht auf neue Höhen. Am Westrand war bereits gestern eine große Büschelprotuberanz zu beobachten. Heute stand an dieser Stelle ein regelrechter Protuberanzen-Komplex mit wirrer Struktur und nachdem ich gestern nur 4 Exemplare am Rand erkannte, waren es heute schon 9.

Auf der Oberfläche zeigten sich gestern 5 und heute 11 (!) Filamente, die wild verteilt waren sowie 2 Flaregebiete an beiden Tagen. Das jüngste Tief ist damit durchschritten und man darf hoffen, das am Ostrand sich in den kommenden Tagen weitere Flecken zeigen werden, welcher Waldmeierklasse sie angehören und ob es überhaupt einen Fleck zu sehen geben wird, das muss man – wie immer – abwarten.

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonne am 11.6.2017

Kurz bevor es für mich für zwei Führungen zur Bergedorfer Sternwarte geht, noch ein kurzer Blick auf die heutige Sonne. Beim Aufwachen war der Himmel tatsächlich mal wolkenfrei und er blieb es auch bis zum Zeitpunkt der Beobachtung auf dem Dachboden.

Im Weißlicht gab es keine Veränderungen bei den Flecken, interessant war lediglich ein großes Fackelfeld am Ostrand, das ich intensiv nach Flecken absuchte, aber keinen fand. Die Sonne war also am 3. Tag in Folge fleckenfrei.

Im H-alpha-Licht war die Region, die im Weißlicht als Fackelgebiet zu sehen war, überaus interessant, denn hier befand sich ein helles Flaregebiet und eine etwa großflächigeres Filament. Wer weiß, vielleicht bildete sich in der Region ja noch ein Fleck. Ansonsten war die Aktivität fast analog zu der gestrigen. Am Rand gab es 4 Protuberanzen und nur eine im Südwesten ragte etwas weiter über den Rand hinaus. Der Rest verriet nur durch kleine Spitzen, die man leicht auch für Spiculen halten könnte. Dafür waren sie dann aber doch zu groß.

Auf der Oberfläche war neben dem erwähnten Gebiet das große Filament im Süden nach wie vor vorhanden, außerdem die beiden schon gestern zu beobachtenden Flaregebiete. Bis auf 6 zumeist kleine oder punktförmige Filamente und 3 Flaregebiete war die Sonne in diesem Wellenlängenbereich nahezu erscheinungsfrei.

Und jetzt geht es zur Sternwarte ...

Samstag, 10. Juni 2017

Sonne am 9. und 10.6.2017

Nach drei Ausfalltagen hintereinander – es war bedeckt oder wir hatten »Rentnerwetter«, d.h. die Sonne schien nur am Vormittag -, erwischte ich gestern Abend noch eine kleine Wolkenlücke, nachdem ein starkes Regengebiet abgezogen war, allrdings bei – erwartungsgemäß – übelstem Seeing. Heute morgen dagegen war das Seeing deutlich besser, dafür kamen Wolken, die nicht vorhergesagt woren waren, denn erst ab Mittag sollte es wieder zuziehen. Das passiert aber schon in diesen Minuten …

Im Weißlicht konnte ich durch die Ausfalltage den von mir vorhergesagten Zusammenbruch der AR 12661 nicht selbst am Teleskop beobachten, denn gestern und heute war die Sonne fleckenfrei. Es zeigten sich nicht einmal Fackelfelder am Rand.

Im H-alpha-Licht war die Sonnenaktivität nur unwesentlich höher. Am Rand waren gestern und heute nur 4 kleine Protuberanzen zu sehen, die »größte« am Ostrand. Auf der Oberfläche fanden sich an der Position der ehemaligen AR 12661 und dahinter zwei Flaregebiete, darüber hinaus gestern 4 und heute 6 Filamente. Eines schwebte über der Südhalbkugel, eines zwischen den beiden Flaregebieten, während der Rest meist nur klein und »stummelig« erschien. Man kann nur abwarten, wielange dieser neuerliche Aktivitätseinbruch andauern wird.

Montag, 5. Juni 2017

Sonne am 5.6.2017

Nach dem Aufwachen ging es erst einmal auf den Dachboden zur Sonnenbeobachtung. Der Himmel war leider zweigeteilt, wie ich feststellen musste: im Westen blau und im Osten versypht und genau da stand natürlich die Sonne. Folge: Im Refraktor war der Hintergrund weiß-gräulich, im PST hellorange. In beiden Teleskopen war es sehr schwierig, überhaupt etwas zu erkennen, dafür war das Seeing überraschend gut ...

Wie schon vorgestern vorhergesagt, zeigten sich bei der AR 12661 deutliche Auflösungstendenzen im p-Teil der Gruppe, denn hier war heute keine Penumbra mehr zu sehen. Daher klassifizierte ich sie als C10. Aktuelle SDO-Aufnahmen zeigten allerdings auch hinter der Gruppe nichts mehr. Die kleinen Flecken von gestern waren uf den Bildern nicht mehr zu sehen.

Im H-Alpha-Licht war die Aktivität weiter zurück gegangen. Am Rand erkannte ich trotz der widrigen Bedingungen 5 Protuberanzenherde – 4 am Ost- und einen am Westrand -, darunter ein schöner, in sich zerfasert wirkender Bogen. Auf der Oberfläche fand ich zwar 4 Flaregebiete, aber kein einziges Filament! Allerdings war der Süden nicht mehr ganz erscheinungsfrei, denn tief im Südosten steht eine Protuberanz, die gerade in ein Filament übergeht und dabei leicht dreidimensional wirkt. Der »Rest« der Sonne war ziemlich leer und aufgrund des Syphs konnte ich nicht mal das chromosphärische Netzwerk – erkennbar an feingliedrigen, über die gesamte Sonne verteilte Strukturen - ausmachen. Der kleine Aktivitätsschub scheint schneller vorbei zu sein, als ich erwartet hatte ...